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Corona - Was sonst?

#staysocial #stayathome ūüŹ†

Neben #corona sind das wohl mit die häufigsten Hashtags, die aktuell verwendet werden.

Bei mir war es hier in letzter Zeit sehr ruhig. Ich hatte im Vorfeld schon einige Blogartikelpl√§ne. Ich wusste genau wor√ľber ich so schreiben wollte. Ich wollte euch von dem Gemeinsamwachsen Event in N√ľrnberg erz√§hlen, von dem kinderfreien Kurzurlaub in Luxemburg, davon dass mein Sohn einfach so eben 3 Jahre alt geworden ist und die ein oder andere h√§ufig gestellte Kundenfragewollte ich dir beantworten.
 
W√§hrend der Urlaubszeit hatte ich wenig Zeit und Mu√üe f√ľr diese Art der Arbeit. Dann kamen wir wieder nach Hause und der Arbeitsalltag im Hauptjob ging sofort weiter. Mittlerweile kommt es mir einfach nicht richtig vor √ľber so ‚Äěbelanglose‚Äú Di ge zu schreiben, wo doch so viel gerade passiert.
 
Ich hatte die dramatische Woche im Kinder UKE durch meinen Urlaub verpasst. Die Woche als ein Arzt Corona positiv getestet wurde und dadurch gef√ľhlt die halbe Belegschaft in Quarant√§ne sollte bis ihr Testergebnis vorliegt.¬†
 
Pl√∂tzlich liefen alle mit Mundschutz herum auch wenn sie allein in ihrem B√ľro sa√üen. Es war eine merkw√ľrdige Stimmung. Und naja den weiteren Verlauf kennt man ja aus den Medien. Fast jeden Tag kam eine Neuer Newsletter mit neuen Informationen und neuen Anordnungen bis hin zum aktuellen Besucherstop auf dem gesamten UKE Gel√§nde. Ohne Ausweis kommt man min nicht mal mehr zum Edeka, der dort auch von vielen Anwohnern genutzt wird.
 
In der Kinderklinik ist es aktuell eher ruhiger als normal, da viele Termine von den Ambulanzen oder den Familien abgesagt werden. Es ist quasi wie die Ruhe vor dem Sturm, denn sp√§testens wenn diese Krise vor√ľber ist, werden alle ihre Termine nachholen wollen.
 
Das wird sicher auch nochmal eine interessante Zeit und Aufgabe in der Klinik.
 
Ein weiterer großer Faktor, warum ich zur Zeit so wenig von mir hören lasse, ist der Faktor Zeit/ Ruhe.
 
Du bist vielleicht auch davon betroffen, die Kitas und Schulen habe zu. Die Kinder werden zu Hause betreut. 
 
Wir haben das Gl√ľck/die Herausforderung, dass wir uns gut abwechseln k√∂nnen. Mein Mann arbeitet im Schichtdienst und ist zur Zeit meistens mittags zu Hause. Ich bin dann am Vormittag mit Sam zu Hause, gehe dann mittags ab 14 Uhr bis abends arbeiten. Wenn¬†mein Mann frei hat, kann ich einen vollen Tag arbeiten. Das geht, weil ich mir meine Arbeitszeiten im Gro√üen und Ganzen sehr flexibel einteilen kann.¬†
 
Das ist ein Segen, da wir in keine großen Bredouillen kommen, was die Kinderbetreuung angeht. Und theoretisch könnten wir es sogar darauf anlegen und die Notbetreuung nutzen, da wir beide in sogenannten systemrelevanten Betrieben arbeiten. Aber es gibt sicher genug andere Familie, die diese Notbetreuung dringender brauchen als wir.
 
Also wechseln wir uns ab, machen fliegenden Wechsel zu Hause und arbeiten beide quasi ohne Pause, ohne Entlastung durch den Partner und ohne Entlastung durch unser wundervolles Dorf, dass wir hier in unserer Wohnsiedlung normalerweise haben. 
 
Das ist die Herausforderung, die unser Luxus mit sich bringt.

Ich bin aber wirklich beeindruckt davon, wie gut es doch funktioniert mit der Organisation von Arbeit und Kinderbetreuung und das ganz ohne Kita, sowohl bei uns als auch bei vielen anderen mit denen ich bisher gesprochen habe. Klar ist das sicher nicht bei allen so und ich kenne auch viele kleine Unternehmer, die Angst um ihre Existenz haben. Gleichzeitig entstehen aber so viele neue Konzepte, in der Familie, in kleinen und auch gro√üen Unternehmen. Home Office wird schnell und unkompliziert von der Firma umgesetzt und z.B. Laptops bereitgestellt. Eltern sprechen sich ab, wann wer wie arbeiten geht und der Partner bleibt dann wie selbstverst√§ndlich zu Hause und betreut die Kinder. Kleinere Modegesch√§fte er√∂ffnen (gezwungenerma√üen) Onlineshops und erschlie√üen sich damit vielleicht eine ganz neue Reichweite an Kundschaft. Es passiert so viel, es ist eine Zeit des Umdenken und des Umbruchs. Und so schwierig es vielleicht auch zu scheinen mag, diese Phase wird sehr viel Gutes hervorbringen. Man¬† muss nur bereit sein sich voll und ganz auf die Ver√§nderungen einzulassen und sich nicht mit H√§nden und F√ľ√üen an die alten Gewohnheiten zu klammern.

 

Ich pers√∂nlich bin sehr gespannt, was die Zeit nach Corona mit sich bringt. Welche neuen Strukturen vielleicht beibehalten werden. Welche alten Strukturen sich schnell wieder einfinden und welche vielleicht √ľberfl√ľssig geworden sind. Auch ich habe schon die ein oder andere Idee f√ľr die Zukunft und ich bin gespannt, wie sich dies entwickeln wird.


Unsere Tage verlaufen alle irgendwie √§hnlich und doch ganz anders. Eine Freundin von mir meinte letztens, irgendwie verfliegen die Tage mit Corona noch schneller als sonst. Und das obwohl sich einzelne Tage mit so einem Kleinkind wirklich lange hinziehen k√∂nnen. Sie konnte es irgendwie nicht besser beschreiben, aber das musste sie auch nicht, denn ich verstand sofort, was sie damit sagen wollte. Ich f√ľhle das genauso. Du auch?

 

Die Kita hat seit 3,5 Wochen geschlossen und Sam ist mit uns zu Hause. Davor war er nur 4 Tage in der Kita, denn davor waren wir 10 Tage im Urlaub. Das heißt von den letzten 6 Wochen, waren wir nur quasi 5 Wochen ohne Fremdbetreuung und ohne unsere Alltagsroutine. Und ja manche Tage sind lang und anstrengend gewesen, aber im großen und ganzen kann ich es fast gar nicht glauben, dass es schon 6 Wochen so läuft.

 

Wir basteln viel. Wobei ich mehr bastel als Sam. Da fehlt irgendwie das Interesse und die Geduld. Aber immerhin bin ich so dieses Jahr Deko m√§√üig endlich mal auf Ostern vorbereitet. Wir, also ich :-) , haben Eier ausgepustet und bemalt, haben aus Salzteig Gem√ľse und Obst f√ľr den Kaufmannsladen gemacht und kleine Osterhasen und Ostereiergirlanden f√ľr die Fenster gemacht. Dann gab es von einer Nachbarin noch Anleitungen f√ľr Pfeifenreiniger-Tiere (inkl. der Pfeifenreiniger) im Briefkasten. Das hat uns einen ganzen Vormittag besch√§ftigt (also ich hab gebastelt und Sam hat dann mit den fertigen Tierchen gespielt). Die gleiche Nachbarin hat mit ihrem Sohn eine Schatzsuche organisiert und einen kleinen Piratenschatz im nahe gelegenen Park versteckt. Das war eine so tolle Idee, da alle Kinder, die wollten, konnten auf die Suche gehen und keiner kam sich zu nahe, da wir uns kurz abgesprochen hatten und im halbst√ľndigen Abstand losgegangen sind. Vielleicht ist das auch eine Idee f√ľr Dich und Deine Nachbarschaft.

 

Was haben wir noch gemacht? Wir verbringen, jetzt bei dem guten Wetter, viel Zeit auf der Terrasse und auch da bin ich beeindruckt wie gut Sam auch drauf bleibt, teilweise obwohl andere Kinder im Innenhof spielen. Klar, irgendwann geht auch er runter. aber das ist ok. Einem Dreijährigen das zu erklären, ist wirklich schwer, vor allem weil es sonst ja immer erlaubt ist. Und die Kinder halten im großen und ganzen wirklich den Abstand ein. Man muss sie nur ab und zu daran erinnert. 

 

Wir sind auch letztens spazieren gegangen und haben Blumen gepfl√ľckt um diese dann zu pressen. Die erste Karte, verziert mit eben diesen Blumen f√ľr meine letzten Kunden vor Corona, macht sich morgen auf die Reise.


Neben der kreativen Projekte, die mehr Bespa√üung f√ľr die Mama als f√ľrs Kind sind, spielen wir unglaublich viel mit Duplo. Dabei wird aber weniger gebaut, als mit den Tierchen Rollenspiele zu spielen.Und ja, ich finde es total toll, dass er mit einer Wahnsinns Fantasie an diese Spiele geht, aber ich w√ľrde mir daf√ľr wirklich ein anderes Kind als Spielpartner w√ľnschen, denn ich kann das einfach nicht, bzw. nicht so oft und soooooooo lange...


So viel also zu meinem aktuellen Alltag. Wie oben schon beschrieben, bleibt neben all dem kaum Zeit und Energie um mich abends noch an den PC zu setzen und Blogartikel oder Instagram-Posts zu schreiben. Meistens lasse ich mich dann doch eher von Instagram berieseln und klick mich durch die Bilder und Stories.
Und eine Sache ist mir in den letzten Wochen da aufgefallen.
‚ÄěDanke dass ihr in dieser Zeit f√ľr uns da seid und alles am Laufen haltet‚Äú¬† So oder so √§hnlich habe ich in letzter Zeit h√§ufige Dankessagungen in den sozialen Medien gelesen. Es ist ein Dankesch√∂n an all die Menschen, die an der ‚ÄěFront ‚Äě sind, diejenigen, die in einen systemrelevanten Beruf arbeiten, diejenige, die das System am laufen halten.

 

Gestern wie auch schon in den Tagen zuvor wurde genau f√ľr diese Menschen von den Fenstern und Balkonen aus geklatscht. Ein Zeichen, dass wir ihre Arbeit, ihr Engagement wertsch√§tzen und ihnen dankbar sind. Ich hab gestern auch geklatscht, hab mich quasi bei meinem Mann bedankt. Und im Nachhinein habe ich mich gefragt, warum wird sich jetzt bedankt? Klar, in der aktuellen Corona-Krise merken viele erst, welche Beruf wirklich wichtig sind f√ľr die Gesellschaft und dass der eigenen Beruf vielleicht auch nur auf 50% laufen kann ohne dass die Welt untergeht. Aber diese Menschen, die wir beklatschen, sie sorgen nicht nur in diesen Wochen daf√ľr, dass alles rund im System l√§uft. Sie tun das jeden einzelnen, verdammten Tag. Und gerade die Menschen in der Pflege, im Krankenhaus, in der Kita h√∂ren fast t√§glich S√§tze wie ‚ÄěRespekt, deinem Job k√∂nnte ich nicht machen‚Äú und kriegen gleichzeitig eine hundsmiserabel Verg√ľtung und wirklich bescheidene Arbeitsbedingungen.

 

 

Ich hoffe so, so sehr, dass die Gesellschaft und die Politik genau das erkennen werden. Dass es ohne diese Jobs einfach nicht geht und dass sie, wenn wir ehrlich sind, um einiges mehr "wert" sind, als der Managerposten einer gro√üen Firmer, der B√∂rsenmarkler oder anderen "wichtigen" M√§nnern, die unfassbar viel Geld bekommen, weil sie viel Verantwortung (in der Firma) tragen. Die Menschen, die sich um unsere Kranken, unsere Eltern oder unsere Kinder k√ľmmern sollten nicht mehr ausgebeutet werden. Sie sollten nicht weniger verdienen als Menschen, die sich um unser Geld k√ľmmern...¬†

 

Diese Menschen sollten nicht noch mehr oder l√§ngere Schichten arbeiten, weil es zu wenig Personal gibt und sonst die Betreuung der Bed√ľrftigsten nicht mehr gew√§hrleistet werden kann. Der Job sollte attraktiver sein, es sollte doch m√∂glich sein mit einem systemrelevanten Beruf seine Familie ern√§hren zu k√∂nnen und nicht kurz vor der Armutsgrenze zu leben.

 

Also f√ľr alle, die sich bedanken. Danke daf√ľr. Das ist gro√üartig. Bitte vergesst dieses Gef√ľhl nicht nach Corona. Denkt daran, wenn die n√§chsten Wahlen anstehen oder ihr diese Berufe anderweitig unterst√ľtzen k√∂nnt. Vielleicht entstehen in dieser Zeit ja auch tolle Ideen, wie wir als Land, diese Schieflage wieder gerade r√ľcken k√∂nnen. Es w√ľrde mich freuen.

 

In diesem Sinne w√ľnsche ich Dir und Deiner Familie weiterhin eine sch√∂ne Zeit. Genie√üe dieses neue Familienleben, der Alltagswahnsinn kommt fr√ľh genug zur√ľck.

 

 

Alles Liebe

Silke

 

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